
Ein Musical von Peter Lund und Thomas Zaufke
Uraufführung
Badisches Staatstheater Karlsruhe
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Samstag, 2.7., 20:00 - 22:45
Badisches Staatstheater
Big M., der milliardenschwere Unternehmer, feiert seinen fünfzigsten Geburtstag. Seine von ihm bestens versorgte Familie, Prominenz und selbst Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, geben sich die Ehre. Zum Höhepunkt ist ein riesiges Feuerwerk geplant. Doch die Lichteffekte stammen vom Blaulicht der anrückenden Polizei. Die nicht eingeladene Steuerfahndung unterbricht das Fest, Big M. in Handschellen, katastrophaler Abschluss einer bis dahin glorreichen Zeit.
Und diese Zeit wird nun in Rückblenden vor uns aufgeblättert: Die Geschichte eines Unternehmens und die Geschichte einer Familie, aufs engste miteinander verbunden. Die Maschinen, die den Reichtum begründen werden, sind bei weitem nicht der Verkaufsschlager, für den sie ausgegeben werden. Aber die Öffentlichkeit will geblendet sein, die Banken drängen dem Jungunternehmer die Kredite geradezu auf. Ehefrau, Sekretärin, Bruder – alle spielen mit. Die Blase der imaginären Maschinen wird immer größer und sie wird platzen. Aber bis dahin schweigen viele, denn Big M. schenkt seinem Land viel, er sorgt für seine Familie, er ist ein Vorbild.
Ein Wirtschaftskrimi als Musical, geht das? Es geht, wenn man Peter Lund hat, der den Text schreibt, und wenn man Thomas Zaufke hat, der die Songs komponiert. Denn Zaufke und Lund schreiben höchst erfolgreich deutsche Musicals. Immer witzig, klug und vor allem aktuell.
Schauspielhaus
Mit: Anna-Magdalena Beetz, Robert Besta, Ursula Grossenbacher, Georg Krause, Annika Martens, Lisa Schlegel, Gunnar Schmidt, Timo Tank, Stefan Viering; Musiker: Chris Gross, Michael Gundlach, Haiko Heinz, Walter Kiesbauer, Christoph Lewandowski, Martin Stumpf, Dirk Rumig
Regie: Peter Lund
Ausstattung: Ulrike Reinhard
Musik: Thomas Zaufke
Musikalische Leitung / Einstudierung: Walter Kiesbauer
Choreografie: Andrea Heil
Dramaturgie: Donald Berkenhoff


von Juli Zeh
AUSVERKAUFT
Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen (LTT)
anschließend Publikumsgespräch
Sonntag, 10.7., 19:00 - 21:00
Landgericht
Deutschland in 50 Jahren ist gesund. Denn die METHODE hat den Volkskörper völlig geheilt. Wer sich nicht konform verhält, kann „methodenfeindlicher“ Umtriebe bezichtigt werden. So wie Mia Holl. Die junge und erfolgreiche Biologin hat eigentlich kein Problem mit dem System. Aber ihr freiheitsliebender Bruder Moritz, als Kind Leukämiepatient, wurde zu Unrecht der Vergewaltigung und des Mordes angeklagt. Er nahm sich mit Mias Hilfe im Gefängnis das Leben. Sein Tod bringt das Weltbild von Mia Holl genauso ins Wanken wie die Ideologie der METHODE. Mias Trauer um ihren Bruder lässt sie apathisch werden, ihre Gesundheitswerte weichen von der Norm ab. Prompt wird sie vorgeladen, außerdem besucht sie Heinrich Kramer, der Chefideologe der METHODE. Weil aber Mia Holl nichts weiter verlangt als ihre Ruhe, ihr Fall zugleich von ihrem Pflichtverteidiger Rosentreter für eigene Zwecke benutzt wird und schließlich nachgerade zu einer Hexenjagd wird, entwickelt sich aus dem scheinbar klaren Fall eine Parabel über den Antagonismus von Einzelnem und Gesellschaft.
Juli Zehs Stück ist eine Dystopie, in der der Einzelne unter dem Deckmantel der Gesundheitsfürsorge einem totalitären System unterworfen ist. Es stellt die Frage, wie sehr diese Vision schon in der Gegenwart zu finden ist. Und welche Möglichkeiten der Einzelne hat, sich des Zugriffs eines solchen Systems zu erwehren?
Mit: Raffaele Bonazza, Christian Dräger, Katja Gaudard, Jessica Higgins, Nadia Migdal, Udo Rau, Gotthard Sinn, Philip Wilhelmi; Chor (mit Tübinger Bürgerinnen und Bürgern)
Regie: Jenke Nordalm
Ausstattung: Jelena Nagorni
Dramaturgie: Armin Breidenbach
Premiere: 15.4.2011


von Georg Büchner
in einer Bearbeitung von Nuran David Calis und Beate Seidel
SCHAUSPIELSTUTTGART
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum GRAUZONE
Freitag, 1.7., 20:00 - 22:00
Badisches Staatstheater
1794. Das fünfte Jahr der Französischen Revolution. Die Debatte um ihren „richtigen“ Fortgang ist auf dem Höhepunkt angekommen. Die Front der Dantonisten, die Mäßigung und Befriedung der Konflikte verlangt, steht gegen Robespierre und seine Verbündeten, die auf radikale Lösungen mithilfe der Guillotine insistieren. Auf der Straße protestiert das Volk und fordert Gerechtigkeit und Wohlstand. Welchen Weg soll die Revolution gehen? Wie wahrt man politische Macht? Welche Ideologie ist die wirkungsvollste, die unzufriedenen Massen zu befrieden?
Büchner dringt mit seinem hellsichtigen Drama zu den Kernfragen politischer Auseinandersetzung vor. Er beleuchtet die Schwierigkeit politischen Handelns, wenn sich dessen Vision auf Machterhalt beschränkt. Er beschreibt, wie politische Morde inszeniert werden.
Nuran David Calis versetzt diese Kämpfe in das moderne Ambiente eines fiktiven oval office, in dem beide Parteien in klaustrophobischer Abgeschlossenheit ihre Positionen zu verteidigen und durchzusetzen suchen. Während drinnen erbittert um Platz oder Sieg gestritten wird, agiert draußen der „Mob“, das „Volk“ und wird zum Zünglein an der Waage.
Schauspielhaus
Mit: Mike Adler, Lisa Bitter, Dilaver Gök, Sebastian Kowski, Jan Krauter, Christian Schmidt, Svenja Wasser, Till Wonka, Minna Wündrich
Regie: Nuran David Calis
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Amelie von Bülow
Musik: Vivan Bhatti
Video: Karnik Gregorian
Dramaturgie: Beate Seidel


von T. C. Boyle
Uraufführung
Theater der Stadt Aalen
anschließend Publikumsgespräch
Mittwoch, 6.7., 18:00 - 18:50
INSEL
Was bleibt vom Menschen, wenn Erziehung und Kultur wegfallen? Gibt es so etwas wie ein „natürliches Artverhalten“, einen „präkulturellen Zustand“? Der Mensch, befreit von menschlicher Gesellschaft, ist das ein Monstrum ohne Moral? Im Jahr 1797 greifen Bauern im Süden Frankreichs ein wildes Kind auf. Völlig verdreckt, mit Narben übersät und keiner Sprache mächtig, wird es zunächst wie ein Tier gefangen und dann nach Paris gebracht, wo der Pädagoge Jean Itard sich des verwilderten Jungen annimmt, um die Frage nach der menschlichen Natur zu klären. Er versucht, dem wehrlosen Kind Sprache und Tischmanieren beizubringen, traktiert es mit unzähligen Experimenten, um sich und der Wissenschaft zu beweisen, dass er fähig ist den Jungen zu zivilisieren. Am Ende erreicht er fast nichts. Victor, wie der Wilde genannt wird, überlebt seine Erzieher und Peiniger um viele Jahre und bleibt, was er war: ein wildes Kind.
Die Uraufführung der Dramatisierung von T. C. Boyles Erzählung thematisiert und hinterfragt nicht nur den Hoheitsanspruch des Menschen im Bezug auf alles vermeintlich niedere Natürliche und Kreatürliche. Im Zentrum steht auch die Frage nach dem richtigen Umgang mit einem unberechenbaren, triebhaften und gleichzeitig unschuldigen Menschen.
Mit: Alessandra Ehrlich, Max Rohland, Alexander Wilß
Regie: Katharina Kreuzhage
Ausstattung: Ariane Scherpf
Dramaturgie: Sebastian Schachtschneider


von Friedrich Dürrenmatt
Theater Baden-Baden
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Dienstag, 5.7., 20:00 - 22:30
Badisches Staatstheater
„Ich warte!“ – Claire Zachanassians Gelassenheit trügt. Denn die nach jahrzehntelanger Abwesenheit in ihr Heimatdorf Güllen zurückgekehrte Milliardärin fordert Ungeheuerliches: Sie verlangt den Mord an ihrem Schulschatz Alfred Ill und ist bereit, dafür eine Milliarde zu bezahlen. Der einst bedeutende und wohlhabende Ort ist heute verarmt, Bürger und Gemeinde stehen kurz vor dem Ruin. So ist trotz aller Entrüstung über das unmoralische Angebot die Versuchung groß, der Zachanassian zu ihrer Rache zu verhelfen. Zumal die Frage nach Recht und Gerechtigkeit sich in aller Schärfe stellt. Denn Alfred Ills Verhalten war äußerst zweifelhaft, als seine heimliche Liebe, die damals noch Klara hieß, Güllen hochschwanger, entehrt und mittellos verlassen musste, nachdem er mithilfe bestochener Zeugen seine Vaterschaft erfolgreich bestritten hatte. Claire Zachanassian kann es sich leisten zu warten.
1956 uraufgeführt, ist Dürrenmatts tragische Komödie zu einem modernen Klassiker geworden. Mit der ihm eigenen dramaturgischen Unerbittlichkeit führt der Schweizer Dramatiker den Zuschauern doppeldeutig und bis zur letzten Konsequenz vor Augen, wie Moral vor Geld kapituliert und wie umgekehrt Geld der Moral zu ihrem Recht verhilft.
Schauspielhaus
Mit: Lara Beckmann, Stephanie Brehme, Birgit Bücker, Daniel Fischer, Tobias Graupner, Oliver Jacobs, Catharina Kot tmeier, Christian Schaefer, Fritz Peter Schmidle, Werner Tritzschler, Berth Wesselmann;
Musiker: Heiko Gottberg, Hans-Georg Wilhelm; Mitglieder des Spielclubs U22
Regie: Maria-Elena Hackbarth
Bühne: Britta Langanke
Kostüme: Claudia Jung
Musik: Christian Kuzio
Musikalische Einstudierung: Christian Kuzio, Hans-Georg Wilhelm


von Ödön von Horváth
Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen (LTT)
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Mittwoch, 6.7., 20:00
Badisches Staatstheater
Bahnhofsvorstand Thomas Hudetz hat einen gravierenden Fehler gemacht: Der unglücklich verheiratete, „immer pflichtgetreue Beamte“ hat sich von der attraktiven jungen Wirtstochter Anna ablenken lassen, ein Zugsignal zu spät gesetzt und ist nun verantwortlich für den Tod von 18 Menschen. Trägt er allein die Schuld? Oder ist es doch Anna, die die Schuld auf sich nehmen muss, weil sie ihm auch noch ein Alibi geliefert hat, das ihn erpressbar macht? Hudetz wird zwar von der weltlichen Gerichtsbarkeit freigesprochen, doch sein Gewissen lässt ihn nicht mehr schlafen: Er muss handeln. So wird er zum Mörder. Welche Rolle spielt seine Ehe in diesem Fall? Hat Hudetz zwar nicht seine gerechte Strafe erhalten, mit seiner Tat aber die Toten gesühnt? Oder kann er sich im Spannungsfeld verschiedener Schuld- und Moralinstanzen gar nicht richtig verhalten? Wie gestaltet sich die individuelle Schuld, wenn man sich in einem dörflichen Beziehungsgeflecht befindet, das über Wohl und Wehe, über Recht und Gerechtigkeit nach ganz anderen Maßstäben urteilt? Wenn der einzigen Augenzeugin nicht geglaubt wird, weil sie als unzurechnungsfähig hingestellt wird? Thomas Hudetz wird, als er sich schließlich ganz entziehen will, in der Konfrontation mit den Toten davon überzeugt, dass er sich seiner Verantwortung stellen muss.
Schauspielhaus
Mit: Daniel Blum, Martin Maria Eschenbach, Ina Fritsche, David Liske, Nadia Migdal, Julienne Pfeil, Hartmut Pfeil, Christian Beppo Peters, Ulrike Requadt, Gotthard Sinn, Margarita Wiesner, Philip Wilhelmi
Regie: Ralf Siebelt
Ausstattung: Hannah Landes
Musik: Jojo Büld
Dramaturgie: Armin Breidenbach

von William Shakespeare
Deutsch von Elisabeth Plessen
Theater Freiburg
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Sonntag, 10.7., 19:00 - 21:45
Badisches Staatstheater
Jüdische, muslimische und christliche Schauspieler kommen für diese Inszenierung zusammen, um der Frage nachzugehen, in welchem Verhältnis unsere Kulturen heute zueinander stehen. Zu Shakespeares Zeit markiert Venedig die wichtigste Außengrenze Europas. Hier begegnen sich Waren und Werte, Nationalitäten, Religionen und Sprachen. Sowohl Kriege als auch der Handel zwingen zur Suche nach immer neuem Kapital. Genau dafür braucht Venedig die Juden, die an diesem Ort, ständig von der Ausweisung bedroht, leben und arbeiten. Das ist die Welt, in der der Jude Shylock und der Christ Antonio, der Kaufmann von Venedig, aufeinandertreffen: Erst bei einem Handel, dann vor Gericht, wo einer der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte des Theaters abläuft.
Die aktuelle Freiburger Inszenierung fügt dem noch eine weitere Perspektive hinzu, indem sie die Figur des Lanzelot Gobbo, der sich zwischen den Juden und Christen bewegen muss, als Muslim interpretiert. In der Auseinandersetzung dieser Protagonisten begegnen sich exemplarisch die Vorurteilsstrukturen, Wertesysteme und Rechtsauffassungen der unterschiedlichen Kulturen und vermengen sich mit den persönlichen Empfindlichkeiten und Verletzungen aller Beteiligten.
Opernhaus
Mit: Marie Bonnet, André Benndorff, Gabriel von Berlepsch, Monica Gillette, Rebecca Klingenberg, Mathias Lodd, Orhan Müstak, Andreas Helgi Schmid, Doron Tavory, Martin Weigel
Regie: Avishai Milstein
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Franziska Jacobsen
Musik: Sven Hofmann
Dramaturgie: Josef Mackert


von Nis-Momme Stockmann
Uraufführung
Theater & Orchester Heidelberg
anschließend Publikumsgespräch
Samstag, 2.7., 20:00 - 21:45
ZKM_Medientheater
Grippezeit. Ein Mann Mitte Dreißig sitzt zu Hause und telefoniert unentwegt. Sein Vater hat sich ein Stück von der Zunge abgebissen und die Hand am Herd verbrannt. Sein Bruder merkt nicht, dass der Vater langsam dement wird. Seine Ex-Freundin will, dass der Mann für seinen Vater sorgt und sich um die gemeinsamen Kinder kümmert. Sie findet, dass er Zeit dazu hat, denn der Mann hat seinen Job verloren. Das weiß die Ex-Freundin von seinem besten Freund, mit dem sie jetzt zusammen ist.
Mit kurzen Dialogen eröffnet Nis-Momme Stockmann eine dramatische Situation. Ein Mann, der bisher die Welt ass, wird jetzt gefressen. Stück für Stück bricht ihm jede Gewissheit weg: der Job, die Freundin, der beste Freund, der Bruder, der Vater. Aber Kapitulation gilt nicht in der Leistungsgesellschaft; die Ökonomisierung aller Verhältnisse ist längst bis in die Familie vorgedrungen. Wer aus der Tretmühle des Kapitalismus aussteigen will, der fällt aus der Welt.
Autoren- und Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts 2009
Mit: Ronald Funke, Benjamin Hille, Bastian Semm, Daniel Stock, Monika Wiedemer
Regie: Dominique Schnizer
Ausstattung: Christin Treunert
Dramaturgie: Jan Linders
Sounddesign und Regieassistenz: Martin Süß


Ein Projekt von Jarg Pataki und Viola Hasselberg
Uraufführung
Theater Freiburg
anschließend Publikumsgespräch
Freitag, 1.7., 20:00
ZKM_Medientheater
Vor 30 Jahren fand der Gründungsparteitag der „Grünen“ in Karlsruhe statt. Dieser Geburtstag ist für uns Anlass für einen besonderen Festakt, denn diese Partei scheint sich als dauerhafte politische Formation mit einem erheblichen Zukunftspotenzial in der politischen Wirklichkeit etabliert zu haben. Ihre Entwicklung zwischen Dimensionen von Utopie und Verrat gehört zu den emotional besiedeltsten Reflexzonen, die die deutsche Zeitgeschichte zu bieten hat. Wie viel hat der Erfolg der „Grünen“ mit ihren Anfängen zu tun, die an Aktionskunst erinnerten und zwischen Schweigekreis und Fahrradhappening eine andere, neue Seite der bürgerlichen Gesellschaft nach 1968 überhaupt erst sichtbar machten? Eine ungeheure Erfrischung ging von der permanenten Infragestellung institutioneller Strukturen aus, die aus der Perspektive der abgeklärten Pragmatik heutiger Verhältnisse geradezu exotisch wirkt. Ist 30 Jahre später Ökologie eine Ersatzweltanschauung? Enthält das grüne Projekt noch Widerstandspotenziale für eine bürgerliche Gesellschaft, deren Teil die „Grünen“ heute mehr denn je sind?
Mit: Frank Albrecht, Lena Drieschner, Johanna Eiworth, Bettina Grahs, Hendrik Heutmann, Orhan Müstak, Andreas Helgi Schmid, Martin Weigel, Dolores Winkler
Regie und Dramaturgie: Jarg Pataki und Viola Hasselberg
Bühne: Jens Dreske
Kostüme: Julia Rösler
Musik: Malte Preuß
Dramaturgische Mitarbeit: Carolin Hochleichter, Wolfgang Klüppel


von Peter Handke
Badisches Staatstheater Karlsruhe
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Donnerstag, 7.7., 20:00
Badisches Staatstheater
Ort des „Schau“-Spiels ist ein Platz, den Männer und Frauen, als Gruppe oder einzeln, betreten, überqueren und bewohnen. Beschäftigt sind sie mit „Hakenschlagen, Schuheabklopfen, Armeausbreiten, Sich die Augen Beschirmen, Am Stock gehen, Leisetreten, [...] das alles durcheinander, nicht ausgeführt, nur im Ansatz.“ Zwischendurch Pausen, Geräusche, Stille. Kein Wort fällt. Kleine Dramen ereignen sich, mögliche Geschichten scheinen auf und brechen wieder ab. Es entsteht ein flüchtiger, poetischer Bilderbogen alltäglicher Szenerien und fantastischer Traumwelten, ein Menschheitspanorama eines Augenblicks – wobei das Welttheater auch zum Kasperle-Theater wird. Und jeder Zuschauer entwickelt in der Beobachtung und Interpretation der Vorgänge seine eigene, unterhaltsame Geschichte.
Handkes 1992 entstandenes erfolgreichstes Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ ist die konsequente Fortschreibung seines Dramas „Das Spiel vom Fragen“. Erst jenseits der Worte erhalten die Dinge, die Menschen und das Alltägliche wieder ihren Wert, entsteht Poesie. Das (Zu-)Schauen ermöglicht dem Betrachter jenes mystische Erlebnis, das nach Handke das „Stärkste sei, was ein Mensch erfahren kann“
Schauspielhaus
Mit: Anna-Magdalena Beetz, Robert Besta, Eva Derleder, Georg Krause, Sebastian Kreutz, Stjepan Markovic, Denise Matthey, Jannek Petri, Mona Petri, Lisa Schlegel, Thomas Schrimm, Timo Tank, Teresa Trauth
Regie: Thomas Krupa
Bühne: Thilo Reuther
Video: Jana Findeklee
Kostüme: Ines Burisch
Musik: Mark Polscher
Dramaturgie: Tilman Neuffer


von Hjalmar Söderberg
Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg
Theater Konstanz
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Montag, 4.7., 20:00 - 22:15
Badisches Staatstheater
Gertrud steht zwischen den Männern. Mit Kanning, einem designierten Minister ist sie verheiratet, in den jungen aufstrebenden Musiker Erland ist sie unsterblich verliebt und jetzt taucht auch noch der Verflossene Lidmann wieder auf. Höchste Zeit, reinen Tisch zu machen und zu entscheiden, wer oder was im Leben wirklich wichtig ist. Im Spannungsfeld zwischen emotionaler Überforderung und kühler Objektivität beginnt ein aufwühlendes Spiel um die Liebe und den idealen Lebensentwurf.
Wie August Strindberg und Henrik Ibsen so bricht auch der Skandinavier Hjalmar Söderberg bürgerliche Strukturen und Moralvorstellungen auf und fordert die mutige Auseinandersetzung mit den eigenen Idealen.
Man könnte denken, dass seit 1907, dem Jahr der Uraufführung von GERTRUD, eine Menge passiert ist. Und doch erscheint uns die Protagonistin des Stückes suchend nach dem Sinn und gleichzeitig nach den Sicherheiten des Lebens, heute so vertraut wie nie: Gertrud wirft eines Tages alles hin. Das bürgerliche Leben für die Freiheit und den Traum von einem alternativen Dasein.
Wulf Twiehaus deckt in seiner Inszenierung die Mechanismen auf, mit denen wir uns entscheiden, bestimmte Lebenswege einzuschlagen bzw. so manchen Fluchtweg offen halten.
Während sich Ibsens Hedda Gabler mit ihrem Selbstmord von den Fesseln der Gesellschaft löst, entdeckt die ehemalige Sängerin Gertrud in der Musik wieder Hoffnung auf ein neues, unabhängiges Leben.
Schauspielhaus
Mit Annegret Enderle, Susi Wirth; Ingo Biermann, Thomas F. Jung, Michael J. Müller
Inszenierung: Wulf Twiehaus
Ausstattung: Katrin Hieronimus
Dramaturgie: Kerstin Daiber
Musikalische Leitung: Stefan Leibold


von Felicia Zeller
Uraufführung
Nationaltheater Mannheim
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Sonntag, 3.7., 19:00 - 20:45
Badisches Staatstheater
Sie sind billiger als Billiglohnkräfte und haben keinerlei Rechte. Sie heißen Olanka, Olga oder Irina und kommen aus Ländern wie der Schlamparei, Mogelei, Rostland oder Ukulele. Das Land ihrer Träume heißt Knautschland. Dorthin kommen sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie sind die Dienstmägde der Globalisierung und nennen sich „Au Pair“. „Au Pair“ bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Was das heißt, diktieren allerdings die anderen. Felicia Zeller stapelt, was da an unterschiedlichen Lebenshaltungen und Bedürfnissen aufeinander prallt, zu einem kakofonen babelschen Turm. Die Ausflüchte genervter Au Pairs werden überflutet von den Wortkaskaden gestresster Powerfrauen, unterbrochen von dem Geschrei tyrannischer Kinder... Einzig die Väter sind in diesem virtuosen Zellerschen Wortschwall nicht hörbar, schweben im All oder kommen gegen halb zehn oder heute vielleicht später oder gar nicht mehr.
Felicia Zeller wurde 1970 in Stuttgart geboren. Sie lebt heute als freie Autorin und Medienkünstlerin in Berlin und erhielt die unterschiedlichsten Stipendien, Förder- und Autorenpreise. Sie schreibt Theatertexte, macht Kurzfilme, Werke auf Neuen Medien und Leseperformances. Für „Kaspar Häuser Meer“ erhielt Felicia Zeller den Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen 2008. „Gespräche mit Astronauten“ ist zu den Mülheimer Theatertagen 2011 eingeladen.
Schauspielhaus
Mit: Isabelle Barth, Thorsten Danner, Sabine Fürst, Jenny König, Ines Schiller
Regie: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp


Eine Collage aus Texten von und über Gudrun Ensslin. Eine kritische Betrachtung eines rebellischen Lebens.
Die Badische Landesbühne, Bruchsal (BLB)
anschließend Publikumsgespräch
Sonntag, 3.7., 17:00 - 18:00
Landgericht
Gudrun Ensslin, 1940 als eines von sieben Kindern einer evangelischen Pfarrersfamilie auf der Schwäbischen Alb geboren, wurde in den 1970ern zusammen mit Andreas Baader zu einem der Gründungsmitglieder und führenden Köpfe der linksextremen Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF). Ensslin, die 1964 ihr Staatsexamen als Volksschullehrerin gemacht hatte, war 1968 am Frankfurter Kaufhausbrand beteiligt. Danach kämpfte sie mit immer radikaler werdenden Mitteln gegen die Wegschau-Mentalität der westeuropäischen Gesellschaft und schreckte auch vor Opfern nicht zurück. 1972 wurde sie verhaftet und ins Gefängnis Stuttgart-Stammheim gebracht, wo bereits Baader und andere Mitglieder der Gruppe einsaßen. Nach dem Scheitern der Entführung der Landshut-Maschine, wodurch die „zweite Generation“ der RAF die Gefangenen freipressen wollte, fand man diese im Oktober 1977 tot in ihren Zellen. Als Todesursache gilt allgemein Suizid, was von Sympathisanten der RAF jedoch nach wie vor angezweifelt wird.
Aus Selbstzeugnissen und Beschreibungen von Freunden und Geschwistern zeichnet die szenische Lesung das Bild einer Frau, die angesichts des Zustands ihrer Gesellschaft ein Leben der Extreme wählte.
Mit: Kathrin Sauerborn, Juliane Schwabe
Künstlerische Leitung: Carsten Ramm
Dramaturgie: Julia Sievers


von Holger Schober
Uraufführung
Theater Heilbronn
anschließend Publikumsgespräch
Dienstag, 5.7., 20:00 - 21:15
ZKM_Medientheater
Amira ist mit 6 Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen, jetzt ist sie 15. Deutschland ist längst ihre Heimat geworden. Nur leider nicht auf dem Papier. Amira soll abgeschoben werden, mit ihren Eltern und Geschwistern, obwohl die Familie gut integriert ist. Aber Amira will sich nicht abschieben lassen. Sie versteckt sich und geht an die Öffentlichkeit. „Wenn ich nicht bleiben darf, dann bring ich mich um“, sagt sie. Die Medien stürzen sich darauf und machen eine Riesencampagne daraus. Das Stück wird über die Präsenz von Amira in den Medien erzählt. Der Bühnenraum verwandelt sich in einen Showtruck, der Talkshowund Nachrichtenstudio ist. Amiras Schicksal lässt die Auflagen und Quoten steigen. So lange, bis ein neuer Skandal die Aufmerksamkeit der erregten Öffentlichkeit beansprucht.
Holger Schobers Stück hat zwei Themen: Die Ungerechtigkeit der Abschiebepraxis auf der einen Seite, die Familien zerstört und insbesondere für Heranwachsende katastrophale Folgen hat. Und die Tatsache, dass solche Schicksale medial zum gewaltigen, aber nur kurzen öffentlichen Aufreger aufgebauscht werden. Das wirkliche Mitgefühl ist flüchtig.
Mit: Susan Ihlenfeld, Katharina Voß, Nils Brück, Bernd Habel
Regie: Dominik Günther
Ausstattung: Lars Betko


von Nis-Momme Stockmann
Uraufführung
SCHAUSPIELSTUTTGART
anschließend Publikumsgespräch
Freitag, 8.7., 20:00 - 21:30
ZKM_Medientheater
Ein junger Autor hat den Auftrag, ein Stück über die Wende zu schreiben. Aber er war ein Kind, als die Mauer fiel, und wuchs fern von Berlin auf: auf der Nordseeinsel Föhr. Kein innerer Bezug verbindet ihn mit dem Thema, außer der an ihn gestellten Forderung von Dramaturgen, Intendanten und Lektoren, dass sein Stück „welthaltig“ und „nachhaltig“ zu sein habe. Nun erhofft er sich Aufschluss von seinem Vater, den er auf der heimatlichen Insel aufsucht. Mit diesem begibt er sich in Gespräche über die damalige Zeit, die er als Material aufzeichnet, ohne recht davon überzeugt zu sein. Dabei stößt er allerdings auf verschüttete Erinnerungen an seine Mutter, die ihn weit mehr in Bann ziehen als das offizielle Geschehen der Zeit. Die Geschichte von einem jungen Mann, der ein politisches Drama sucht und eine Familientragödie findet.
„Kein Schiff wird kommen“ schrieb der 28jährige Nis-Momme Stockmann im Auftrag des Theatertreffen-Stückemarktes 2009 und des Schauspiel Stuttgart. Neben diesem Preis erhielt er auch Jury- und Publikumspreis beim Heidelberger Stückemarkt für sein Drama „Der Mann, der die Welt aß“, das im Dezember 2009 in Heidelberg uraufgeführt wurde. Außerdem ist Nis-Momme Stockmann für drei Jahre Hausautor am Schauspiel Frankfurt.
Mit: Matthias Kelle, Lisa Wildmann / Minna Wündrich, Jens Winterstein
Regie: Annette Pullen
Ausstattung: Iris Kraft
Dramaturgie: Kekke Schmidt

Die größte Liebe ist die gefährlichste. Medea liebt Jason. Für ihn betrügt sie ihren Vater, verlässt ihre Familie und ihre Heimat. Für Jason ermordet sie seinen Onkel, mit Jason flieht sie dann vor der Verfolgung, mit Jason kommt sie schließlich nach Korinth und hat mit ihm zwei Kinder. Dann wird alles anders. Er bandelt hinter ihrem Rücken mit der Tochter des Königs von Korinth an, heiratet diese und verstößt Medea.
Das Stück beginnt, als die Betrogene lauthals Klage über ihren Gatten führt. Was sie zu einer öffentlichen Gefahr macht. Sie wird verbannt. Während das „Problem Medea“ für Jason gelöst ist, gibt es für sie jetzt nur noch einen Weg: Sie geht wohlüberlegt und planvoll daran, ihre Rache zu nehmen. Jasons neue Braut und deren Vater zu ermorden ist eine leichte Übung für die Betrogene. Schwierig wird es für sie allerdings, Jason den größtmöglichen Schmerz zuzufügen. Nur ihre beiden Söhne scheinen ihr ein Opfer, das für die Grausamkeiten Jasons groß genug ist. Schon immer läuft Medeas Schicksal auf eine Frage zu: Wie kann eine Mutter so etwas tun? Dabei sollte die Frage lauten: Wie kann ein Mann so etwas tun?
Schauspielhaus
Mit: Nicolas Frenzel, Leo Goldberg, Gunther Nickles, Sibylle Schleicher, Aglaja Stadelmann, Volkram Zschiesche
Regie: Andreas von Studnitz
Ausstattung: Mona Hapke
Dramaturgie: Silke Meier-Künzel


Geiselkomödie von Marc Becker
Theater Pforzheim
anschließend Publikumsgespräch
Donnerstag, 7.7., 20:00 - 21:10
ZKM_Medientheater
Das soll nun die beste aller Welten sein? Ungerechtigkeiten, wohin man schaut. Immer am Rande des Prekariats schlagen sich die vereinsamten Großstadtnomaden durch das Leben. Der eine hat, wonach der andere sich sehnt, und kann doch damit gerade nichts anfangen. Denn einsam sind sie allesamt. Welche obskuren Auswüchse dieses zwischenmenschliche Vakuum entstehen lässt, zeigt die skurrile, farcenhafte Geiselkomödie von Marc Becker. Schauplatz ist die Ein-Zimmmer-Wohnung des Herrn Meier. Herr Schulz wird unvermittelt von Herrn Meier als Geisel genommen. Ein Motiv gibt es nicht – oder doch? Herr Meier ist immerhin nun nicht mehr einsam. Bald macht sich ein veritables Stockholm-Syndrom bemerkbar. Und als noch Nachbarin Frau Müller, ihrerseits dringend auf der Suche nach einem Schein-Verlobten, mitsamt einem Eierkuchen dazu stößt, ist das Chaos perfekt. Eine Geiselnahme scheint plötzlich das probate Mittel gegen die zunehmende Vereinsamung zu sein, bis weitere ungeplante Ereignisse eintreten. Doch die Sehnsucht nach der besseren, der gerechteren Welt höret nimmer auf.
„Meier Müller Schulz oder: Nie wieder einsam!“ ist eine groteske Komödie von nahezu beckettschem Format, in der Logik des zum Äußersten getriebenen Abwegigen – und entwirft doch eine verblüffend genaue Metapher unserer Zeit und unserer Gefühle im 21. Jahrhundert.
Mit: Sabine Hollweck, Dario Krosely, Markus Löchner
Regie: Martin Kammer
Bühne und Kostüme: Jessica Salms
Dramaturgie: Georgia Eilert


von Torsten Buchsteiner
Theater Rampe, Stuttgart
anschließend Publikumsgespräch
Samstag, 9.7., 20:00 - 21:30
ZKM_Medientheater
„Er werde die Tschetschenen in Pissoirs ertränken!“ Putins Ausspruch als Präsident und Oberbefehlshaber der russischen Armee, ist ein erbärmlicher Endpunkt im 200-jährigen Konflikt zwischen Russen und Tschetschenen und legitimiert von russischer Staatsseite aus perverse Gewaltausübung.
Die brutale Geiselnahme während des Musicals „Nordost“ seitens tschetschenischer Rebellen und der Giftgaseinsatz der russischen Regierung zur Beendigung der Gewalttat ist ein Sinnbild für diesen zynischen Umgang mit Recht und Gerechtigkeit!
Das Stück „Nordost“ erzählt in drei schonungslosen Gedankenprotokollen den Ablauf der Geiselnahme – die schwarze Witwe Zura bewegt sich mit tschetschenischen Rebellen auf Moskau zu, um die Freiheit ihres Volkes einzufordern. Die Russin Olga ist glücklich, mit ihrer Familie endlich in eine der sündhaft teuren Vorstellungen des Musicals gehen zu können. Die Lettin Tamara hat eine Nachtschicht im Krankenwagen übernommen. Aus drei Perspektiven wird die ungeheuerliche Besetzung des Theaters authentisch, nüchtern und fesselnd geschildert, bis die russischen Einsatzkräfte mit einem Gasangriff tödliche Stille verbreiten und die Geschichten der drei Frauen auf schreckliche Weise zu einer gemeinsamen wird. Die Spirale von Rache und Vergeltung nimmt kein Ende und die Welt sieht zu bei einem Krieg, der an Grausamkeit und Radikalität nicht zu überbieten ist.
Eine Koproduktion zwischen dem Ensemble Cantadoras und dem Theater Rampe
Mit: Adriana Kocijan, Petra Weimer, Janin Roeder
Regie: Eva Hosemann
Bühne: Stephan Bruckmeier
Kostüme: Horst Wanschura


von Gisela Elsner
Uraufführung
Die Badische Landesbühne, Bruchsal (BLB)
anschließend Publikumsgespräch
Sonntag, 3.7., 20:00 - 21:45
ZKM_Medientheater
Basierend auf der Romanvorlage der umstrittenen Autorin, die einem breiten Publikum erst durch die Verfilmung ihrer Biographie „Die Unberührbare“ mit Hannelore Elsner bekannt wurde, ist „Otto der Großaktionär“ eine bissige Satire auf die Arbeitswelt.
Der Angestellte Otto Rölz arbeitet als Tierpfleger in einer Ungeziefervertilgungsmittelfabrik und ist für Vorbereitung und Beseitigung der Versuchstiere zuständig. Er ist zufrieden, da er sich als Besitzer von fünf Firmenaktien als Miteigentümer der Firma fühlt. Im allgemeinen Rationalisierungsprozess steht aber auch für Otto die Kurzarbeit an. Gleichzeitig bietet die Firma den Mitarbeitern an, bei Testreihen als menschliche Versuchskaninchen teilzunehmen. Auch Otto meldet sich zu den gesundheitsschädlichen Tests. Ausgelaugt und schließlich auch noch gekündigt, weiß Otto nicht mehr, was ihm noch zu tun bleibt, wenn sein Engagement für die Firma nicht mehr gebraucht wird.
Das Bühnenstück ist eine Adaption des erst vor wenigen Jahren im Nachlass Gisela Elsners entdeckten und 2008 veröffentlichten Romans, die BLB-Intendant Carsten Ramm zusammen mit der Herausgeberin der Neuauflage von Gisela Elsners Werken, Christine Künzel, erstellte. „Otto der Großaktionär“ führt vor, wie einem Mann sein blindes Vertrauen ins Wirtschaftssystem zum Verhängnis wird. Obwohl der Roman bereits in den achtziger Jahren fertiggestellt wurde, malt er ein erschreckend präzises Bild unserer Gegenwart.
Mit: Martin Brunnemann, Philipp Dürschmied, Thorsten Engels, Tobias Gondolf, Markus Hennes, Sandra Pohl
Regie: Carsten Ramm
Ausstattung: Ines Unser
Musik & Choreinstudierung: Hennes Holz
Dramaturgie: Julia Sievers


Drama von Eliam Kraiem
in der Übersetzung von Bernd Samland
Schauspielbühnen Stuttgart
anschließend Publikumsgespräch
Montag, 4.7., 20:00 - 22:30
ZKM_Medientheater
Das sonst so ruhige Leben von Hans, der mit der Unterstützung seiner jungen Angestellten Nora eine kleine Bäckerei in Amsterdam betreibt, gerät eines Abends aus der Bahn, als ein junger Mann, von Fußball-Hooligans gejagt, durch seine Schaufensterscheibe gestoßen wird. Hans kümmert sich um den Verletzten, der auf keinen Fall ins Krankenhaus gebracht werden will: Er stammt, wie er Hans erklärt, aus Palästina, wo er aus Geldnot sein Medizinstudium abbrechen musste. In den Niederlanden hält er sich zurzeit illegal auf. Den entstandenen Schaden will Mahmoud Hans ersetzen, und als dieser ihm eine Stelle in seiner Bäckerei anbietet, nimmt er das Angebot gern an. Als Mahmoud jedoch am Ende des ersten Arbeitstages erkennen muss, dass Hans Jude ist, verlässt er das Haus. Kurz darauf kehrt er wieder zu dem Mann zurück, der ihm geholfen und eine Arbeit gegeben hat, und das Leben nimmt scheinbar einen normalen Verlauf an. Bis Mahmoud Besuch aus seiner Heimat bekommt...
Recht oder Unrecht? Das Schauspiel, das sich anhand von zwei konträren Lebenswegen mit dem Konflikt zwischen Israel und Palästina auseinandersetzt, wirft brisante Fragen auf: Können Menschen sich aus den Erlebnissen ihrer Vergangenheit und der politischen Situation ihres Landes befreien oder bleiben sie darin verhaftet?
Die Rolle des jüdischen Bäckers Hans wird von Ilja Richter gespielt, der zu den etabliertesten Bühnen- und Fernsehdarstellern Deutschlands zählt.
Mit: Nadim Jarrar, Pano Karas, Barbara von Münchhausen, Ilja Richter, Birte Wentzek
Regie: Ulf Dietrich
Ausstattung: Konrad Kulke
Musik: Sebastian Bartmann
Dramaturgie: Martina Kullmann


von Philipp Löhle
Uraufführung
Nationaltheater Mannheim
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Freitag, 8.7., 20:00 - 21:45
Badisches Staatstheater
Die drei Freunde Henning, Michl und Wolf haben geschworen: Auf das Gold, das schon immer da war – das heißt: – die Legende vom Gold. Und als mal alles kurz still steht, erzählen sie: Von Friedrich der im Schwarzwald nach Gold zu graben beginnt. Und von Emma, die in sich selbst gräbt und nicht Gold, sondern einen Gedanken ans Tageslicht hebt, und damit die Geschichte eines Freiheitskampfes, der vor mehr als 160 Jahren in Mannheim einen Anfang genommen hat.
In drei Teilen erzählt Philipp Löhle eine Farce auf den ungezügelten Kapitalismus. Gold ist dabei Klebstoff und Lösungsmittel zugleich, Auslöser und Todpunkt. In seiner Allgemeinheit und Leere ist es hart und ungerecht wie der Tod. „supernova (wie gold entsteht)“ ist ein Kommentar auf unsere krisengebeutelt-ungebrochene Orthodoxie des Goldes, in all ihrer Lächerlichkeit und Todessehnsucht.
Philipp Löhle wurde 1978 in Ravensburg geboren. Studium der Geschichte, Theater- und Medienwissenschaft und deutschen Literatur in Erlangen und Rom. Für „Genannt Gospodin“ wurde der Autor mit dem Förderpreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ausgezeichnet und außerdem für den Mülheimer Dramatikerpreis 2008 nominiert. Von 2008 bis 2010 war Philipp Löhle Hausautor am Maxim Gorki Theater in Berlin. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wird in Mannheim Theater gespielt. Insbesondere das Wirken Schillers prägt bis heute die Arbeit der Schauspielsparte des Nationaltheaters.
Achtung: Bei diesem Stück kommt Stroboskoplicht zum Einsatz!
Schauspielhaus
Mit: Thorsten Danner, Ralf Dittrich, Sven Fricke, Klaus Rodewald, Anke Schubert
Regie: Cilli Drexel
Bühne: Christina Mrosek
Kostüme: Julia Borchert
Dramaturgie: Ingoh Brux, Ewald Palmetshofer


Straßentheater
Uraufführung
Theater in der Westentasche, Ulm
Samstag, 9.7., 11:00 - 12:30
Stadtraum Karlsruhe
Eintritt frei
Die europäische Erstaufführung „Die große Tyrannin“ von Carlos Padrón erzählt wie die kubanische Sängerin La Lupe 1962 Kuba verlässt, um am Broadway ihre Weltkarriere fortzuführen. Autor und zugleich Regisseur Carlos Padrón eröffnet mit diesem Stück Fragen nach dem Spannungsfeld von Politik und Kunst der verschiedenen gesellschaftlichen Systeme. Texte unterschiedlichster Autoren schlagen hiermit eine Brücke zwischen Europa und Amerika. Über die intensive Zusammenarbeit vom Theater in der Westentasche und Schulen von Ulm wird das Straßentheater des Leiters Thomas Dentler verschiedenste Darstellergruppen präsentieren. Carlos Padrón, Weltpräsident des kubanischen Bühnenverbandes, wird ebenfalls anwesend sein.
Friedrichsplatz
Die Große Tyrannin (Europäische Erstaufführung)
Mit: Nancy Calero, Arián Irsula
Regie: Thomas Dentler, Carlos Padrón
Ausschnitte aus dem Programm Kooperation Kulturelle Bildung: Theater und Schule
Mit: Theater-AG der Eduard-Mörike-Schule Ulm, Theater-AG und Schulband der Eduard-Mörike-Schule Blaustein, Adalbert-Stifter-Schule Ulm, Amateurensemble des Westentaschentheaters, Michaela Kampka, Thomas Dentler
Musikalische Leitung: Winfried Schultheiß
Regie: Nancy Calero, Manfred Eichhorn, Michaela Kampka
Gesamtregie: Thomas Dentler


Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Nina Gühlstorff und Nina Steinhilber
Uraufführung
Theater & Orchester Heidelberg
anschließend Publikumsgespräch
Mittwoch, 6.7., 20:00 - 21:30
ZKM_Medientheater
Weil sie auch bei großer Hitze nicht ohne ein Jackett aus dem Haus gingen, wurden jüdische Einwanderer aus Deutschland in Palästina spöttisch „Jeckes“ genannt. Kulturell mit Deutschland verwachsen, leben viele „Jeckes“ der ersten Generation bis heute die Ambivalenz gegenüber Deutschland zwischen Wut, Trauer und Heimweh als täglichen Konflikt. Im Sommer 2009 hat das israelisch-deutsche Team von „They Call Me Jeckisch“ in Tel Aviv und Umgebung knapp fünfzig Interviews mit deutschstämmigen Israelis dreier Generationen geführt. Basierend auf wortgetreuen Abschriften dieser Gespräche ist ein dokumentarischer Theaterabend in drei Sprachen entstanden, in dessen Zentrum der Versuch steht, sich der neuen und alten „Unnormalität“ im Verhältnis beider Länder über die subjektive Perspektive persönlicher Erfahrungen anzunähern. Auf einer zweiten Ebene wird die Begegnung der israelischen und deutschen Schauspieler theatral erfahrbar. Ist es möglich, in einer Konstellation wie dieser einfach Theater zu machen? Die Suche nach der eigenen Rolle im Kontext der Arbeit und die offene Konfrontation mit Vorbehalten, Ängsten und Rachegefühlen provoziert eine intensive und emotionale Auseinandersetzung mit der Frage wer wir sind.
Familienbande Theater & Orchester Heidelberg & Teatron Beit Lessin, Tel Aviv
Gefördert im Fonds Wanderlust der Kulturstiftung des Bundes
Mit: Ute Baggeröhr, Michael Hanegbi, Hadas Kalderon, Frank Wiegard
Regie: Nina Gühlstorff
Bühne und Kostüme: Noa Tsaushu und Asaf Koriat
Dramaturgie: Nina Steinhilber


Ein Karl-Valentin-Abend aus den Tiefen des Alls
von Lothar Bobbe
Württembergische Landesbühne, Esslingen (WLB)
anschließend Publikumsgespräch
Dienstag, 5.7., 20:00
INSEL
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Zwei Außerirdische landen in einem Museumsraum. Vielleicht ist gerade Ausstellungswechsel, jedenfalls liegen und stehen eine Menge interessanter Sachen herum. Ein Bierkrug beispielsweise, der ganz richtig der Nahrungsaufnahme zugeordnet wird, während die Brezel als kultisches Symbol einer Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, fehlinterpretiert wird. Oder ist es gar ein Hydroinfokausalhypoxanthininontologdiskontinunzialspektralokularzerebralindolent- morphologifutilitätshypernom?
Und schon ist man mitten im Valentinschen Sprachwitz und -wahnsinn, so dass es jetzt auch gar nicht mehr verwunderlich ist, wenn besagter Herr leibhaftig auftritt.
Valentin, 1882 in München geboren, lernt zunächst Schreiner, besucht eine Varietéschule, leitet nach dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter eine Speditionsfirma und erfindet eine Musikmaschine. Nach einer längeren Versuchsphase trägt ihm ein Auftritt mit selbstverfassten Couplets und Monologen schließlich Erfolg und ein Engagement im „Frankfurter Hof“ ein. Drei Jahre später lernt er dort Liesl Karlstadt kennen, die erst seine Schülerin und später seine Spielpartnerin wird. Valentin stirbt 1948 an den Folgen einer Erkältung, die er sich zuzog, als er eine Nacht im unbeheizten Theater eingeschlossen war.
Der Schauspieler Lothar Bobbe, seit der Spielzeit 08/09 festes Ensemblemitglied der WLB, kommt ebenfalls aus dem Umland von München und ist ein erklärter Karl-Valentin-Fan. Nun hat er für die WLB einen Abend „aus den Tiefen des Alls“ geschrieben, die eine sehr originelle Annäherung an ein Originalgenie verspricht. Gemeinsam mit der Schauspielerin Ute Seraina Schramm und unter der Regie von Edith Ehrhardt, wird er sich auf eine vergnügliche Spurensuche mit bekannten und unbekannten Valentin-Texten begeben. „Und es beginnt die seltsamste Komik, die wir seit langem auf der Bühne gesehen haben: ein Höllentanz der Vernunft um beide Pole des Irrsinns“, schrieb einst Kurt Tucholsky.