
von Nis-Momme Stockmann
Uraufführung
Theater & Orchester Heidelberg
anschließend Publikumsgespräch
Samstag, 2.7., 20:00 - 21:45
ZKM_Medientheater
Grippezeit. Ein Mann Mitte Dreißig sitzt zu Hause und telefoniert unentwegt. Sein Vater hat sich ein Stück von der Zunge abgebissen und die Hand am Herd verbrannt. Sein Bruder merkt nicht, dass der Vater langsam dement wird. Seine Ex-Freundin will, dass der Mann für seinen Vater sorgt und sich um die gemeinsamen Kinder kümmert. Sie findet, dass er Zeit dazu hat, denn der Mann hat seinen Job verloren. Das weiß die Ex-Freundin von seinem besten Freund, mit dem sie jetzt zusammen ist.
Mit kurzen Dialogen eröffnet Nis-Momme Stockmann eine dramatische Situation. Ein Mann, der bisher die Welt ass, wird jetzt gefressen. Stück für Stück bricht ihm jede Gewissheit weg: der Job, die Freundin, der beste Freund, der Bruder, der Vater. Aber Kapitulation gilt nicht in der Leistungsgesellschaft; die Ökonomisierung aller Verhältnisse ist längst bis in die Familie vorgedrungen. Wer aus der Tretmühle des Kapitalismus aussteigen will, der fällt aus der Welt.
Autoren- und Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts 2009