
von Hjalmar Söderberg
Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg
Theater Konstanz
anschließend Publikumsgespräch/ Festivalzentrum Grauzone
Montag, 4.7., 20:00 - 22:15
Badisches Staatstheater
Gertrud steht zwischen den Männern. Mit Kanning, einem designierten Minister ist sie verheiratet, in den jungen aufstrebenden Musiker Erland ist sie unsterblich verliebt und jetzt taucht auch noch der Verflossene Lidmann wieder auf. Höchste Zeit, reinen Tisch zu machen und zu entscheiden, wer oder was im Leben wirklich wichtig ist. Im Spannungsfeld zwischen emotionaler Überforderung und kühler Objektivität beginnt ein aufwühlendes Spiel um die Liebe und den idealen Lebensentwurf.
Wie August Strindberg und Henrik Ibsen so bricht auch der Skandinavier Hjalmar Söderberg bürgerliche Strukturen und Moralvorstellungen auf und fordert die mutige Auseinandersetzung mit den eigenen Idealen.
Man könnte denken, dass seit 1907, dem Jahr der Uraufführung von GERTRUD, eine Menge passiert ist. Und doch erscheint uns die Protagonistin des Stückes suchend nach dem Sinn und gleichzeitig nach den Sicherheiten des Lebens, heute so vertraut wie nie: Gertrud wirft eines Tages alles hin. Das bürgerliche Leben für die Freiheit und den Traum von einem alternativen Dasein.
Wulf Twiehaus deckt in seiner Inszenierung die Mechanismen auf, mit denen wir uns entscheiden, bestimmte Lebenswege einzuschlagen bzw. so manchen Fluchtweg offen halten.
Während sich Ibsens Hedda Gabler mit ihrem Selbstmord von den Fesseln der Gesellschaft löst, entdeckt die ehemalige Sängerin Gertrud in der Musik wieder Hoffnung auf ein neues, unabhängiges Leben.